Wie feiern Ordensschwestern Weihnachten? Wie gestalten sie die Festtage, welche Rituale sind ihnen wichtig, was kommt an den Feiertagen auf den Tisch und gibt es an Heiligabend auch eine Bescherung? Darüber haben wir mit Oberin Sr. Franziska Ferstl, Sr. Sofie Lex und Sr. Josefina Tchinakusoki gesprochen. Sie leben mit zwei weiteren Mitschwestern in Nürnberg in einer Gemeinschaft in der Pfarrgemeinde St. Josef zusammen. Für sie sind die Weihnachtsfeiertage kein familiäres Fest im klassischen Sinn, aber sie bieten Raum für Spiritualität, Traditionen, Nähe und gemeinsames Erleben.
Sr. Franziska, Sr. Sofie, Sr. Josefina, nehmen Sie uns doch einmal mit durch Ihren Heiligen Abend. Was gehört für Sie hier in der Gemeinschaft unbedingt dazu?
Sr. Franziska: „Wir teilen uns die Aufgaben auf. Sr. Josefina stellt unseren Christbaum auf, die älteren Schwestern sorgen für den Baumschmuck, ich bereite das Essen zu und Sr. Sofie als Kirchenmusikerin spielt eventuell schon am Nachmittag die Orgel im Gottesdienst der Pfarrei.“
Das hört sich nach einem geschäftigen Tag an…
Sr. Sofie: „Ja, aber trotzdem beginnen wir in der Früh wie immer mit unserem Morgengebet, der Laudes, dann frühstücken wir und erst danach geht es mit den Vorbereitungen los. Nach meiner Rückkehr aus der Kirche essen wir so gegen 17.30 Uhr zu Abend und danach versammeln wir uns zur Vesper, unserem Abendgebet. An einem Tag wie Heiligabend gestalten wir die Vesper feierlicher zum Beispiel mit einer meditativen Bildbetrachtung und dem Stundenbuch-Weihnachtshymnus. Und da ich ja blind bin, erzählen mir die Mitschwestern, was sie in dem Bild sehen oder ich lese eine schon vorhandene Bildbeschreibung vor und wir tauschen uns darüber aus.
Anschließend singen wir „Stille Nacht“ und dann gibt es auch bei uns eine Bescherung.
Schreiben Sie denn dann vorher auch einen Wunschzettel?
Sr. Franziska: „Jede Gemeinschaft kann selbst festlegen, wie sie es mit Geschenken halten will. Wir bekommen von der Ordensgemeinschaft einen kleinen Betrag für Geschenke zur Verfügung gestellt. Wir haben uns untereinander darauf geeinigt, dass jede Schwester sich selbst damit einen Wunsch erfüllt. Aber unsere Besonderheit: am ersten Advent wichteln wir und losen untereinander geheim unsere Namen aus. Die Schwester, deren Name ich dann zum Beispiel gezogen habe, ist mir im Advent anvertraut. Das heißt, ich schließe sie besonders in mein tägliches Gebet ein und ich sorge auch dafür, dass das Geschenk, was sie sich selbst ausgesucht hat, schön verpackt und noch mit einer kleinen Überraschung versehen wird. Damit bis zum Schluss niemand weiß, wer wen gezogen hat, legen wir am 4. Advent alle unsere Geschenke in einen Raum und der „Wichtel“ holt das jeweilige Geschenk dann heimlich ab.“
Sr. Sofie: „Beim Auspacken raten wir dann, wer unser Geschenk verpackt hat und erzählen uns gegenseitig, warum wir uns für einen bestimmten Wunsch entschieden haben, sei es ein Buch, ein Regenschirm, ein Paar Handschuhe oder eine kleine Handtasche. Manchmal wird man dann auch absichtlich vom „Wichtel“ in die Irre geführt, durch eine große Verpackung zum Beispiel, obwohl man ein kleines Geschenk gewählt hat. Da haben wir schon viel gelacht.“
Sr. Franziska: „Anschließend sitzen wir noch gemütlich beisammen bei Glühwein, Tee und Plätzchen.“
Sr. Josefina, Sie stammen ja aus Angola, kannten Sie Glühwein schon?
Sr. Josefina (lacht): „Nein, den habe ich erst hier in Deutschland kennengelernt, aber er schmeckt mir gut. Bei den Temperaturen in Angola trinken wir zu Weihnachten lieber etwas Kaltes.“
Sr. Franziska: „Ab 21 Uhr ziehen wir uns dann ein wenig zurück, damit sich jede für sich in Ruhe und Stille auf die Liturgie der Christmette um 22 Uhr vorbereite kann. Dann gehen oder fahren wir in die Christmette und wenn wir um 24 Uhr zurück sind, dann freut sich jede Schwester auch auf ihr Bett.“
Sr. Franziska, Sie sind ja ausgebildete Hauswirtschafterin und haben schon Großküchen geleitet, in Ihrer Verantwortung liegt somit das Essen an den Feiertagen. Was bringen Sie denn auf den Tisch?
Sr. Franziska: „Also an Heiligabend muss es schnell gehen, weil wir da ja manchmal schon am Nachmittag Sr. Sofie in den Gottesdienst begleiten. Da gibt es dann Bratwürste oder auch mal eine Pizza, aber am ersten Feiertag freuen auch wir uns auf ein Festtagsessen. Da mache ich zum Beispiel einen Kalbsbraten mit Kartoffeln, Gemüse und Salat oder eine Gänsebrust mit Klößen und Blaukraut. Am Abend gibt es dann kalte Platten und feine Salate. Ich bereite genug für beide Feiertage vor, man will ja nicht die ganze Zeit in der Küche stehen.“
Sr. Sofie: „Am ersten Feiertag schalten wir vor dem Mittagessen immer die Übertragung vom Petersplatz in Rom ein, wenn der Papst seinen Segen „Urbi et Orbi“ spricht und abends verfolgen wir live die Vesper aus dem Münchner Dom, weil Sr. Franziska und ich dort früher immer selbst hingegangen sind. Nun singen und beten wir vor dem Fernseher mit und halten Ausschau, ob wir ein bekanntes Gesicht unter den Ordensschwestern im Dom sehen. Anschließend sitzen wir noch eine Weile zusammen und berichten, welche Weihnachtsgrüße uns persönlich oder als Gemeinschaft erreicht haben.
Haben Sie denn auch Kontakt zu Ihren Familien?
Sr. Franziska: „Der erste Weihnachtsfeiertag gehört ganz der Gemeinschaft, aber am zweiten Weihnachtsfeiertag besuchen wir wenn möglich unsere Familien oder haben einfach freie Zeit für uns. Natürlich gehen wir an beiden Tagen auch noch in die Gemeindegottesdienste.
Sr. Josefina, wie haben Sie denn in Angola in ihrer Schwesterngemeinschaft Weihnachten gefeiert?
Sr. Josefina: „Bei uns beginnen die Weihnachtsfeierlichkeiten bereits am 17. Dezember, weil in der Liturgie die letzten sieben Tage vor Weihnachten besonders hervorgehoben sind. Unsere Christmette ist dann am Heiligen Abend um Mitternacht. Der Gottesdienst dauert bis zu drei Stunden und es wird viel getrommelt, getanzt und gesungen.“
Vielen Dank für dieses Gespräch und ein frohes Weihnachtsfest in Ihrer Gemeinschaft, die so unterschiedliche Glaubens- und Lebenserfahrungen ganz selbstverständlich zusammenbringt.